MEINE PHILOSOPHISCHE ORIENTIERUNG
Philosophie und Psychologie sind sehr umfangreiche Felder.
Ihnen gilt mein grosses Interesse, sie bilden meine Grundhaltung. U.a. beschäftigt mich die Frage über den Umgang mit dem Menschen – das «Wie» im Tun.
Für eine bessere Orientierung: nachfolgend eine kleine Auswahl an Philosophen und Betrachtungsweisen, denen ich zugewandt bin.

PHILOSOPH DER AUFKLÄRUNG – ETHIK
Spinoza konzipiert eine Lehre von Affekten und Leidenschaften. Diese werden als eine «Bejahung des Lebens» verstanden.
Spinoza nimmt in der Philosophiegeschichte eine Sonderstellung ein. Er gehörte weder einer etablierten philosophischen Schule an noch begründete er selber eine neue. Er war Anhänger beziehungsweise Kritiker von René Descartes und einer der radikalsten Philosophen der frühen Neuzeit.
Die Philosophie Spinozas hat vor allem ein ethisch-praktisches Ziel: Er möchte von den illusorischen Lebenszielen das einzig Wahre unterscheiden, das ihm, wenn er es erreichen würde, eine stabile und wirklich befriedigende Freude verschaffen könnte. Um dies zu ermöglichen, entwickelte er eine Ethik (vor allem in den drei letzten Büchern der Ethik), deren Grundlagen (die in den ersten beiden Büchern der Ethik dargelegt werden) metaphysischer Natur sind.
Spinozas Motivation bestand u.a. durch die Frage wodurch und wie der Mensch zu einem erfüllten glücklichen und freiheitlichen Leben gelangen kann. Er beschäftigte sich mit der Wirkung von Affekten und Sinneswahrnehmungen sowie die Fähigkeiten unseres Verstandes Wahres von Unwahrem zu unterscheiden. Wie wir durch ihn uns ergründen und verstehen können.
Für mich persönlich eröffnet Spinoza ein Verständnis darüber, wie der Mensch zum Weg seiner Erkenntnis gelangen kann. Und das finde ich das eigentlich Spannende. Denn vieles seiner Betrachtungen und Gedanken liegt heute den Methoden angewandter Psychologie, dem Begleiten und Coaching zugrunde. Zugleich wird mir durch die Texte Spinozas die Haltung und das Verhalten von Therapeuten/Coaches zum Klienten verständlich. Wodurch und wie es gelingen kann, das Klienten aus sich heraus sich entwickeln und aus ihrem Leid finden können.

JIDDU KRISHNAMURTI
(1898; † 1986)
PHILOSOPH – INNERE FREIHEIT UND RADIKALE SELBSTERKENNTNIS
Jiddu Krishnamurti war ein indischer Philosoph und spiritueller Lehrer, der international für seine radikale Betonung innerer Freiheit bekannt wurde. Als junger Mensch wurde er von Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft entdeckt und als künftiger „Weltlehrer“ aufgebaut.
1929 löste er jedoch die für ihn gegründete Organisation („Order of the Star“) öffentlich auf – mit der Begründung, dass Wahrheit nicht durch Organisationen, Glaubenssysteme oder Autoritäten vermittelt werden könne. Dieser Schritt wurde zu einem zentralen Ausdruck seines Lebenswerks.
Zentrale Gedanken
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Wahrheit ist ein „pfadloses Land“ – sie kann nicht durch Religion, Ideologie oder Methode erreicht werden.
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Selbsterkenntnis statt Nachfolge – entscheidend ist die direkte Beobachtung des eigenen Denkens und Fühlens.
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Freiheit von psychologischer Konditionierung – Angst, Vergleich, Ehrgeiz und Autoritätsgläubigkeit prägen den Menschen unbewusst.
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Beobachtung ohne Bewertung – Bewusstsein entsteht durch achtsames, urteilsfreies Wahrnehmen dessen, was ist.
Krishnamurti sprach über mehr als 60 Jahre weltweit – unabhängig von Religionen oder spirituellen Traditionen. Er gründete Schulen in Indien, England und den USA, in denen nicht nur akademisches Wissen, sondern vor allem ganzheitliches, bewusstes Leben gefördert werden sollte.
Sein Wirken richtet sich nicht auf Glauben, sondern auf direkte Einsicht:
Die grundlegende Veränderung der Welt beginnt im Bewusstsein des einzelnen Menschen.

KARL THEODOR JASPERS
(23. Februar 1883; † 26. Februar 1969)
EXISTENZPHILOSOPHIE
Als Arzt hat Jaspers grundlegend zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychiatrie beigetragen. Er gilt auch als herausragender Vertreter der Existenzphilosophie, die er vom Existentialismus Jean-Paul Sartres strikt unterschied. Sein philosophisches Werk wirkt insbesondere in den Bereichen der Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie und der Interkulturellen Philosophie nach.
Philosophischer Einblick:
Existenz und Transzendenz sind für Jaspers nicht gegenständlich. Das Sein selbst sei nicht als Gegenstand aufzeigbar, ebenso wenig wie das Ich, durch das die Gegenstände konstituiert werden. Nur in dem Maße, in dem der Mensch zu sich selber findet, sei der Mensch Existenz.
Jaspers lehnte eine explizite Ethik als Gehäuse von Weltbildern ab, weil er die individuelle Wahlfreiheit prinzipiell nicht eingeschränkt sehen wollte. Aber die Möglichkeit der menschlichen Selbstverwirklichung ist notwendige Bedingung zum eigentlichen Selbstsein, das den Leitfaden praktischen Handelns ausmacht. Die ganze Philosophie von Jaspers ist als Existenzerhellung gedacht.
Die eigene Existenzerhellung erreiche man durch „innere Aneignung“, „Gelassenheit im Wissen“, „tiefe Heiterkeit“, „Offenheit gegen sich und andere“ und „Tapferkeit“ (Philosophie II. Grenzsituationen). Es ist die Vernunft, die den Weg zu der individuellen Selbstverwirklichung weist und die moralischen und politischen Einstellungen wie „Redlichkeit“, „Wahrhaftigkeit“, „Uneigennützigkeit“ oder „Verantwortungsbereitschaft“ zur Geltung bringt (insbes. in: Von der Wahrheit).
Höchstes moralisches Prinzip ist für Jaspers das in der Liebe gründende Prinzip des Guten, das der Mensch, der sich selbst treu bleiben will, als „unbedingt“ (bedingungslos, nicht von Nützlichkeitsabwägungen geleitet) auffasst.

SØREN KIERKEGAARD
(*5. Mai 1813; † 11. November 1855)
VORLÄUFER DER EXISTENZPHILOSOPHIE
Ein persönlicher Hinweis von mir:
Ich habe die Werke von Søren Kierkegaard nicht vollständig selbst gelesen. Ich beziehe mich hier auf ihn, weil viele seiner Gedanken – insbesondere über das Individuum, die innere Verantwortung und die existenzielle Dimension des menschlichen Lebens – einen Teil meiner eigenen Arbeit sehr treffend erklären. Seine Perspektive hilft zu verstehen, worum es mir in meiner Arbeit geht und welche Haltung dahinter steht.
Gleichzeitig möchte ich mich in einem Punkt auch bewusst von Kierkegaard distanzieren: von der Schwere und Melancholie, die seine Grundstimmung oft geprägt hat. Meine Arbeit beschäftigt sich ebenfalls mit den Tiefen des menschlichen Erlebens – und sie ist zugleich auf Entwicklung, Bewusstsein und innere Bewegung ausgerichtet.
Das zentrale Thema seines Denkens
Im Zentrum seiner Philosophie steht das einzelne Individuum. Für Kierkegaard ist Wahrheit nicht nur eine theoretische Erkenntnis, sondern eine Frage der Existenz: Wie lebt ein Mensch? Welche Entscheidungen trifft er? Wofür übernimmt er Verantwortung?
Der Mensch steht nach Kierkegaard immer vor der Aufgabe, sein eigenes Leben bewusst zu wählen, anstatt sich in der Masse, in Rollen oder in gesellschaftlichen Erwartungen zu verlieren.
Freiheit bedeutet deshalb auch Unsicherheit – denn jede Entscheidung schliesst andere Möglichkeiten aus. Wirkliches Leben entsteht erst dort, wo der Mensch diese Freiheit annimmt und Verantwortung für seinen Weg übernimmt.
Das Gefühl, das Kierkegaard besonders analysierte
Ein zentrales Gefühl in Kierkegaards Denken ist die Angst. Er verstand Angst nicht nur als Furcht vor etwas Konkretem, sondern als ein Grundgefühl der menschlichen Existenz. Sie entsteht dort, wo der Mensch erkennt, dass er frei ist – und dass er wählen muss.
Diese Angst ist für Kierkegaard deshalb nicht nur ein Problem, sondern auch ein Hinweis auf die Tiefe und Freiheit des menschlichen Lebens.

FRIEDRICH NIETZSCHE
(*15. Oktober 1844; † 25. August 1900)
VORLÄUFER DER EXISTENZPHILOSOPHIE
«Werde der Du bist.»
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Friedrich Nietzsche zweifelte an den gängigen Vorstellungen vom Menschen, von Gott und der Moral. Er zweifelte auch an Gut und Böse. Seine provokante These war, dass der Mensch etwas sei, das überwunden werden müsse.
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Bei Nietzsche hat die Kunst den Vorrang vor einer Philosophie der Vernunft. Ihre Fähigkeit, Erfahrung zu transzendieren und zu verwandeln, ermöglicht einen ästhetischen Standpunkt der Existenz. Er misst dem Leib, der Erde, dem Sinn der Mitanwesenheit des Todes im Leben besondere Bedeutung zu.
Philosophische Zuordnung
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Nietzsche begann sein Werk als Philologe (Sprach- und Naturwissenschaftler), begriff sich selbst aber zunehmend als Philosoph oder als «freier Denker».
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Nietzsche hat wie kaum ein zweiter Denker die Freiheit der Methode und der Betrachtung gewählt. Eine definitive Einordnung seiner Philosophie in eine bestimmte Disziplin ist daher schwierig.
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Nietzsches Herangehensweise an die Probleme der Philosophie ist teils die des Künstlers, teils die des Wissenschaftlers und teils die des Philosophen. Viele Stellen seines Werks können auch als psychologisch bezeichnet werden, wobei dieser Begriff erst später seine heutige Bedeutung bekam. Zahlreiche Deuter sehen einen engen Zusammenhang zwischen seinem Leben und seinem denkerischen Werk, sodass über Nietzsches Leben und Persönlichkeit weit mehr geforscht und geschrieben wird, als dies bei anderen Philosophen der Fall ist.

HERAKLIT
(ca. 520 v. Chr.; † um 460 v. Chr.)
VORSOKRATISCHE PHILOSOPHIE
Er ist einer der ersten griechischen Philosophen und der Gründervater der Polaritätsphilosophie. Heraklit war der Ansicht: «Die Gegensätze sind das Gleiche. Denn das Eine indem es sich von sich trennt, eint sich mit sich selbst – wie die Harmonie des Bogens mit der Leier.»
Seine wichtigsten Lehren zum Sinn des Seins im Überblick:
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Gegensätze (Polaritäten) sind der Motor zum Sein – die gegeneinanderwirkenden Kräfte wohnen allem Lebendigen inne
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Die Bedeutung der Veränderung «Alles fliesst, wandelt und verwandelt sich in sein Gegenteil.» (Panta rhei). Erst die Pole im Wechselspiel ermöglichen den Fluss und somit das Erleben vom Sein. Und daraus erschaffen sich zur gleichen Zeit wieder Gegensätze.
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Die Erkenntnis vom «in sich versunkenen Nachdenken oder Erforschen». Damit meint Heraklit, dass der Mensch in der Lage ist, seinen Geist zur Ruhe zu bringen, um die Welt und sich selbst als eins zu erleben.

BUDDHISMUS
(ca. 480 v. Chr.)
Der Buddhismus ist eine der großen "Weltreligionen" (Philosophie). Im Gegensatz zu anderen großen Religionen ist der Buddhismus keine theistische Religion, hat also als sein Zentrum nicht die Verehrung eines allmächtigen Gottes. Vielmehr gründen sich die meisten buddhistischen Lehren auf umfangreiche philosophisch-logische Überlegungen in Verbindung mit Leitlinien der Lebensführung, wie es auch im chinesischen Daoismus und Konfuzianismus der Fall ist. Zudem ist die Praxis der Meditation und daraus herrührendes Erfahrungswissen ein wichtiges Element im Buddhismus.
